
Anleitung · Schreiben
Wörter auf Wanderschaft: Aus Fundwörtern einen gemeinsamen Text legen
Zwei bis vier Menschen sammeln Wörter aus dem Raum und legen daraus gemeinsam eine Zeile. Niemand muss eine Geschichte erzählen oder den Stift selbst halten.
Die Druckansicht lässt Navigation und große Farbflächen weg.
Ein Wort kann auf dem Tisch liegen wie ein Fundstück. Es stammt vielleicht aus einem Geräusch, einer Farbe oder einer Kante, die gerade ins Auge fällt. Wenn mehrere Menschen ihre Wörter nebeneinanderlegen, entsteht daraus eine gemeinsame Zeile. Sie muss nichts erklären und keine Geschichte erzählen.
Wörter aus dem Raum sammeln
Legen Sie die Karten in die Mitte. Schlagen Sie vor, zuerst still im Raum nach einem Fundwort zu suchen. Vielleicht ist es ein Geräusch, etwa Ticken oder Rascheln. Vielleicht ein sichtbarer Rand, eine helle Stelle oder ein Material wie Holz. Auch ein Wort, das nur gerade passend klingt, darf auf die Karte.
Niemand muss erklären, warum das Wort gewählt wurde. Persönliche Erinnerungen sind kein Teil der Aufgabe. Wenn doch eine auftaucht, entscheidet die betreffende Person selbst, ob sie davon etwas erzählen möchte.
Einen Beitrag anbieten
Gehen Sie reihum und laden Sie zu einem Wort ein. Jede Person kann es aufschreiben, sagen, diktieren oder auf einen Gegenstand zeigen, während eine andere Person das gewählte Wort notiert. Eine Karte zu bewegen, zuzuhören oder auszusetzen passt ebenfalls. Schreiben Sie das Wort so auf, wie es angeboten wird. Fragen Sie nach, bevor Sie es verändern.
Wenn Sie begleiten, lassen Sie nach jeder Einladung eine Pause. Füllen Sie die Stille nicht sofort mit Beispielen. Bei einer größeren Gruppe können Sie zu zweit an einem gemeinsamen Blatt arbeiten oder mit vier Beiträgen beginnen und später öffnen.
Die Karten in eine Zeile legen
Legen Sie die Wörter nebeneinander. Lesen Sie die Reihe langsam vor, wenn alle damit einverstanden sind. Verschieben Sie jeweils nur eine Karte und prüfen Sie, was sich verändert. Ein Bindewort, ein Artikel oder ein Satzzeichen kann helfen, muss aber nicht ergänzt werden. Die Person, die das Wort eingebracht hat, kann es wieder herausnehmen.
Eine Zeile darf schlicht bleiben. Die Beispiele in der Tabelle sind nur Möglichkeiten, keine Musterlösung.
| Fund im Raum | Mögliche Wörter | Eine mögliche Zeile |
|---|---|---|
| Licht auf der Tischkante | hell, zieht, Rand | Hell zieht eine Spur über den Tisch. |
| Stoff neben einer Karte | weich, Falten, liegen | Weiche Falten liegen im Licht. |
| Ein leises Ticken | fern, Takt, warten | Ein ferner Takt wartet zwischen den Wörtern. |

Für das Kartenmaterial
Für den ersten Versuch reichen Papierreste. Wenn die Runde öfter zusammenkommt, können Sie festere Karten aus Reststücken schneiden. Der Papierhersteller Gmund Paper ist ein inhabergeführtes Unternehmen in Gmund am Tegernsee und stellt auch Papierprodukte her. Besonderes Papier ist für diese Übung nicht nötig.
Große Karten mit dunkler Schrift lassen sich aus einiger Entfernung leichter unterscheiden. Wer nicht schreiben möchte, kann ein Wort diktieren oder auf die Stelle zeigen, die beschrieben werden soll. Wörter aus einer anderen Sprache, eine ungewohnte Schreibweise und ein abgebrochener Satz bleiben stehen, wenn die Gruppe sie so lassen möchte.
Einen gemeinsamen Schluss finden
Nach einer oder zwei Zeilen können Sie aufhören. Fragen Sie, ob die Gruppe den Text noch einmal lesen, auf dem Tisch liegenlassen oder die Karten wieder mischen möchte. Vor dem Vorlesen vor anderen oder einem Foto braucht es die Zustimmung aller Beteiligten. Der Text muss nicht aufgehoben werden.
Diese Anleitung ist ein kreativer Schreibimpuls. Sie verlangt weder persönliche Offenheit noch ein fertiges Gedicht. Zuhören und Aussetzen sind vollständige Formen der Teilnahme.